Einordnung
Beim OpenAI DevDay 2026 ging es auch darum, wie KI längere Arbeitsaufträge übernehmen kann. Praktisch heißt das: Welche Aufgaben soll sie selbstständig verfolgen, und wann muss ein Mensch eingreifen?
Update vom 15. Oktober 2026: Seit dem 8. Oktober gibt es GPT-6.1 Sol Ultrafast in der API, in derselben Woche kam es zu Codex und ChatGPT Work, mit denselben Tarifbedingungen wie bei Astra. Über die API kostet Sol Ultrafast laut Preisliste 12 US-Dollar je Million Eingabe-Tokens und 60 US-Dollar je Million Ausgabe-Tokens, das Sechsfache des Standardpreises.
Neu ist die Verarbeitung in Europa. Für die API unterstützt Sol Ultrafast laut OpenAI-Dokumentation Datenhaltung in den USA und der EU sowie globale Verarbeitung, Astra Ultrafast nur USA und global. Für Work und Codex nennt die Hilfeseite zu Ultrafast bei Sol die USA und Europa (EWR und Schweiz), bei Astra nur die USA. Die Einschränkung weiter unten betrifft damit nur noch Astra.
Für den schnellen Überblick: Hier geht es um neue Modelle, Cloud-Arbeit und länger laufende Assistenten. In Deutschland entscheiden vor allem Zugang, Tarif und die Frage, ob eine Aufgabe lokale Dateien braucht. Unternehmens- und Entwicklerfunktionen stehen weiter unten zum Aufklappen.
Dots übernehmen laufende Aufgaben
Dots sind persönliche KI-Assistenten, die einen Auftrag über mehrere Gespräche hinweg selbstständig weiterverfolgen können. Laut OpenAI nutzen sie dafür einen eigenen Cloud-Computer samt Browser und können in verbundenen Apps arbeiten. Wenn sie eine Entscheidung benötigen, sollen sie nachfragen.
Dots könnten etwa einen Projektplan aktuell halten und auf gefährdete Fristen hinweisen. Dafür brauchen sie passende Quellen und klare Vorgaben. Läuft ein falsch verstandener Auftrag über Tage, schleppt er seine Fehler entsprechend lange mit. Die ersten Ergebnisse solltest du deshalb gleich prüfen.
Dots verwenden Gesprächskontext, relevante ChatGPT-Erinnerungen und eigene Notizen, kein lückenloses Gesprächsarchiv. Anders als ein Terminauftrag sollen sie selbst entscheiden können, wann sie weiterarbeiten. Regelmäßige Aufgaben brauchen einen gespeicherten Zeitplan. Auch das Beobachten von Änderungen muss eingerichtet sein. Eine verbundene App allein reicht nicht.
Für Soloselbstständige in Deutschland ist der Zugang zum Start eingeschränkt. Pro 100, Pro 200 und Pro 500 erhalten Dots zunächst nur für Erwachsene außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums, Großbritanniens und der Schweiz. Business Premium wird weltweit schrittweise freigeschaltet, ebenso Enterprise. Dort muss ein Administrator die standardmäßig ausgeschaltete Beta aktivieren. Der gewöhnliche Business-Tarif ist nicht Business Premium. Auch berechtigte Konten können noch auf Zugang warten.
Verbindungen und Aufträge brauchen auch später Betreuung. Laut OpenAIs Dots-Übersicht zählen Gespräche nicht gegen die ChatGPT-Nutzungsgrenzen. Gestartete Work- und Codex-Aufgaben verbrauchen aber deren Kontingente.
Codex kann in der Cloud weiterarbeiten
Eine längere Fehleranalyse muss nicht am eingeschalteten Laptop hängen. Codex Cloud bearbeitet Programmieraufgaben in einer vorbereiteten Umgebung mit Projektdateien, Werkzeugen und Zugängen. Die Umgebung lässt sich wiederverwenden, jede Aufgabe bekommt einen eigenen Arbeitsbereich. Das Angebot gibt es unter anderem für Plus, Pro, Business und Enterprise.
Eine Cloud-Aufgabe läuft ohne den eigenen Rechner. Brauchst du dafür aber lokale Dateien und Programme, muss der Rechner erreichbar bleiben. Auch angemeldete Browser stehen in der Cloud nicht automatisch bereit. Lässt du eine Funktion entwickeln, geh danach die Änderungen und Testergebnisse durch.
ChatGPT Work auf mehreren Geräten nutzen
Ist der lokale Computerzugriff für Work Cloud freigeschaltet, lassen sich neue Aufgaben mit ausgewähltem Cloud-Modus am Desktop beginnen und auf dem Handy oder im Browser fortsetzen. So kannst du unterwegs weiterarbeiten, während der Laptop Schritte an freigegebenen lokalen Dateien ausführt. Dafür muss der Computer online und verbunden sein, außerdem muss die Desktop-App laufen und im passenden Konto angemeldet sein.
Aufgaben, die vor der Freischaltung begonnen wurden, behalten ihren bisherigen Modus. Ist der Computer zu Beginn einer neuen Anfrage nicht erreichbar, kann Work bei geeigneten Aufgaben in der Cloud fortfahren, dann ohne Zugriff auf seine lokalen Dateien und Werkzeuge. Während eines laufenden Arbeitsschritts wechselt Work die Ausführungsumgebung nicht.
Bei Sol und Ultrafast lohnt sich genaues Rechnen
GPT-6.1 Sol ist unmittelbar nutzbar. OpenAI beschreibt das Modell bei Programmierung, Softwarebedienung und beruflichen Aufgaben als nahe an GPT-6 Astra, gestützt auf eigene Tests. Sol startet in der API und für Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu in ChatGPT Work und Codex. Im normalen Chat-Modus ist es zunächst nicht verfügbar.
Der Preisvergleich bezieht sich auf reguläre API-Verarbeitung. Eine Million Eingabe-Token kostet bei Sol 2 US-Dollar, eine Million Ausgabe-Token 10 US-Dollar. Bei Astra sind es 10 beziehungsweise 50 US-Dollar. Token sind kleine Textbausteine. Sol kostet hier ein Fünftel von Astra, das ist aber keine allgemeine Preissenkung gegenüber jedem bisherigen Modell. Umfangreiche Kontexte und andere Verarbeitungsstufen haben eigene API-Preise.
Beim ChatGPT-Abo zahlst du den Tarif mit seinem Kontingent, die API-Nutzung wird separat abgerechnet. Mehrere Anläufe, Werkzeugaufrufe oder längere Hintergrundarbeit können den Vorteil günstigerer Tokenpreise schmälern. Am Ende zählt deshalb der Verbrauch der fertigen Aufgabe.
Ultrafast richtet sich an Nutzer, denen kürzere Wartezeiten den Aufpreis wert sind. OpenAI nennt bis zu achtfach schnellere Token-Ausgabe in Codex und bis zu sechsfach schnellere Ausgabe in der API. Denkzeit, Recherche und externe Werkzeuge brauchen trotzdem Zeit. Die gesamte Aufgabe wird nicht zwangsläufig entsprechend schneller fertig. GPT-6 Astra Ultrafast ist verfügbar, GPT-6.1 Sol Ultrafast seit dem 8. Oktober ebenfalls.
Einzelkunden brauchen dafür in Work und Codex Pro 500 für 500 US-Dollar monatlich. Berechtigte Enterprise- und Edu-Verträge unterstützen Ultrafast ebenfalls, abhängig von Vertrag und Freigabe. Astra Ultrafast verbraucht enthaltene Kontingente mit dem achtfachen Satz, für gekaufte Credits gilt der sechsfache Satz. Bei Astra Ultrafast sind Arbeitsbereiche mit vorgeschriebener Verarbeitung außerhalb der USA ausgeschlossen. Sol Ultrafast unterstützt laut OpenAI auch Verarbeitung im EWR und in der Schweiz. Für deutsche Nutzer zählt also die Verarbeitungsvorgabe, nicht allein ihr Standort. Pro 500 bietet laut OpenAI das 25-fache Plus-Kontingent. Ob sich der Tarif lohnt, hängt auch davon ab, wie viel davon für höhere Geschwindigkeit verbraucht wird.
Für Teams und Entwickler: weitere Funktionen und Zugangsbedingungen
Gemeinsame Unterlagen statt verstreuter Entwürfe
ChatGPT Space bündelt Dateien und Pages, bearbeitbare Dokumente für die Zusammenarbeit von Menschen und KI. Für kleine Teams könnte daraus ein gemeinsamer Ort für Briefings werden. Space und Pages starten für Pro, Business und Enterprise. Gemeinsam bearbeitbare Präsentationen sollen in den kommenden Wochen folgen. Mobil lassen sich Inhalte zunächst finden, lesen und teilen, Erstellen und Bearbeiten soll nachkommen.
Team Tasks für Business und Enterprise starten nach Zeitplan oder bei einem Ereignis. Sie verwenden ein Team-Dienstkonto mit genehmigten Verbindungen und verbrauchen Workspace-Credits mit eigenen Teamlimits. Ein Unternehmenszugang kann mehr Daten erreichen als ein persönliches Konto. Darum lohnt es sich, Mitgliedschaft und Zugriffsrechte gemeinsam zu prüfen.
Über @ChatGPT in Slack und Microsoft Teams können Business- und Enterprise-Teams Informationen zusammenfassen oder genehmigte Werkzeuge verwenden. Administratoren richten Zugänge und erlaubte Gesprächsbereiche ein. Die unterstützten Funktionen unterscheiden sich zwischen den Plattformen.
Das Meetings-Plugin ergänzt Zusammenfassungen um Aufgabenvorschläge. Es startet als Beta auf macOS für Pro und Business; Enterprise ist zunächst auf eine begrenzte Alpha beschränkt. Wer es verwendet, muss die Beteiligten vorher informieren und ihre Zustimmung einholen. OpenAI löscht das Audio laut Dokumentation, sobald die Notizen fertig sind. Bei vertraulichen Gesprächen muss das Team außerdem klären, welche Inhalte wohin gelangen dürfen.
Anwendungen können Arbeit auslösen
Neue Plugin-Oberflächen bringen Seitenleistenbereiche, interaktive Ansichten und Dateibetrachter in ChatGPT. Die Verfügbarkeit unterscheidet sich je nach Plattform. Interne Sites können unterstützte Plugins und verbundene Daten verwenden. Besucher wählen ihre eigenen Konten und genehmigen den Zugriff. Gemeinsam verwaltete Unternehmenszugänge bilden einen anderen Zugangsweg.
Bei MCP Events löst ein Ereignis in einer angeschlossenen Anwendung eine Aufgabe aus. Eine neue Projektaufgabe könnte etwa die Vorbereitung eines Arbeitsplans starten. Die Verbindung muss solche Ereignisse unterstützen und entsprechend eingerichtet sein.
Weitere Werkzeuge für Entwickler und Unternehmen
Die seit dem 10. September als öffentliche Beta angebotene Agents API erhält Funktionen zur Bedienung von Software. Entwickler können damit Agenten in ihre eigenen Anwendungen einbauen, während OpenAI die Koordination verwaltet. Mit der neuen Computersteuerung (Computer Use) bedient ein Agent einen von OpenAI bereitgestellten Browser in der Cloud und kann dort freigegebene Webanwendungen nutzen. Der eigene Laptop wird dadurch nicht automatisch ferngesteuert.
Die Decisions API wählt Antworten aus vorgegebenen Möglichkeiten, etwa zur Zuordnung von Anfragen. Sie startet als begrenzte Vorschau, die breitere Veröffentlichung ist angekündigt. Bedrock Managed Agents bringt Agentenfunktionen in AWS und wird dort als Vorschau angeboten.
Automatische Codeprüfungen können Änderungen vorab untersuchen. Codex Security Cloud durchsucht GitHub-Projekte und bereitet Korrekturen vor. Es startet für Pro, Business, Enterprise und Edu als Forschungsvorschau. Entwickler müssen Befunde und Korrekturen prüfen. Ein unauffälliger Scan belegt nicht, dass die Software keine Sicherheitslücken hat.
Private Intelligence betrifft Unternehmen mit besonderen Schutzanforderungen. Für API-Organisationen mit entsprechender Zulassung für Zero Data Retention (ZDR), also Verarbeitung ohne dauerhafte Speicherung beim Anbieter, und eingerichtetem Kundenspeicher ermöglicht Private Safety Processing automatisierte Sicherheitsprüfungen ohne Zugriff durch OpenAI-Personal auf die geschützten Prüfungsinhalte. OpenAI speichert diese Inhalte nicht selbst; verschlüsselte Prüfungsdaten liegen für 30 Tage im Kundenspeicher.
Private Inference mit abgeschirmter Verarbeitung soll erst im Herbst als Vorschau folgen. Wie ein Unternehmen personenbezogene Daten einsetzen darf, beantwortet eine technische Schutzfunktion allein nicht.
Das bestehende Abo lässt sich teilweise mitnehmen
Sign in with ChatGPT ermöglicht die Anmeldung und optional die Nutzung vorhandener Kontingente in teilnehmenden Anwendungen. OpenAI nennt zum Start 16 Partner, darunter Notion und Vercel. Plus- und Pro-Kunden können berechtigte KI-Anfragen ihrem Work- und Codex-Kontingent zurechnen lassen. Das gilt nicht für jede beliebige Anwendung. Separate Anbietergebühren können bleiben.
Für ein Videoprojekt könnten Space und Pages ein Briefing und Freigaben zusammenhalten, und ein eingerichteter Dot könnte Aufgabenfristen beobachten. Das sind mögliche Anwendungen und keine von Nachschein getesteten Abläufe. An der Qualität der Videogenerierung ändert keine dieser Ankündigungen etwas.
Für Einzelpersonen sind Sol und Cloud-Aufgaben der naheliegende Einstieg. Kleine Teams können gemeinsame Unterlagen und überschaubare Automatisierungen erproben. Dots bleiben in Deutschland erst einmal eine Tariffrage, gemeinsam bearbeitbare Präsentationen folgen später. Agenteninfrastruktur und Private Intelligence betreffen vor allem Entwickler und größere Unternehmen. Entscheidend ist, ob eine konkrete Aufgabe weniger Betreuung braucht und ihr Verbrauch zum Nutzen passt.
Persönliches Statement:
Hallo Zukunft. Für mich hat OpenAI da schon ein ordentliches Brett hingelegt. Mit Codex Cloud wird es praktisch: Auftrag starten, Laptop zuklappen und später die Ergebnisse prüfen, sofern die Aufgabe komplett in der Cloud läuft. Dots und Work machen längere Aufträge und das Weiterarbeiten vom Handy aus interessant, auch wenn Zugang und Freigaben noch Grenzen setzen. Günstigere Modelle wie GPT-6.1 Sol könnten solche Abläufe bezahlbarer machen. Wie viel man wirklich spart, muss sich erst bei verschiedenen Anwendungsfällen zeigen. Wenn das im Alltag zuverlässig funktioniert und weniger Nacharbeit braucht, dann bringt das schon was.
Quelle: Die Angaben zu den Ankündigungen beruhen auf OpenAIs offiziellem DevDay-2026-Rückblick vom 29. September 2026 und den im Text verlinkten Produktdokumentationen.
Hinweis: Dieser Beitrag ordnet OpenAIs Ankündigungen vom 29. September 2026 ein. Verfügbarkeit und Funktionen hängen vom Tarif, der Freischaltung und dem jeweiligen Arbeitsbereich ab. Vor einem konkreten Einsatz solltest du die aktuellen Produktbedingungen prüfen.
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