Die Nachricht
Am 23. Oktober ist in China der Science-Fiction-Animationsfilm „三星堆:未来往事“ in die Kinos gekommen. Er dauert rund 100 Minuten und erzählt von einer KI-Krise, verknüpft mit Motiven der antiken Sanxingdui-Kultur. Produziert hat ihn die Bona Film Group, technisch unterstützt wurde sie von der Videoplattform Vidu.
Vidu nennt den Film in einer Mitteilung vom 27. Oktober „SANXINGDUI“. In englischen Berichten steht auch der längere Titel „Sanxingdui: Future Past“. Dass der Film in den Kinos läuft und Vidu beteiligt war, berichten chinesische Medien unabhängig von dieser Mitteilung. Wie die einzelnen Bilder entstanden sind, lässt sich aus den öffentlichen Angaben nur teilweise nachvollziehen.
Worum es im Film geht
Die Handlung spielt in einer Zukunft, in der Menschen immer mehr Entscheidungen Algorithmen überlassen. Daraus wird eine weltweite Krise. Die Spur zur Lösung führt in die Archäologie: Sieben rätselhafte Zeichen auf Bronzeobjekten aus Sanxingdui könnten der Schlüssel sein.
Der Film verbindet diese erfundene Geschichte mit einem echten Ort, der Fundstätte Sanxingdui in der chinesischen Provinz Sichuan. Sie ist vor allem für ihre auffälligen Bronzemasken und den bronzenen Baum bekannt.
Trailer auf YouTube ansehenInternationaler Trailer · Chinesisch · öffnet YouTubeDas Vorschaubild ist eine eigene Illustration und kein Standbild aus dem Trailer. Der YouTube-Upload stammt nicht nachweislich vom offiziellen Produktionskanal. Eine weitere Vorschau gibt es auf der Webseite der Bona Film Group.
Dass der Film wirklich ins Kino kam, belegen auch andere Quellen. Die Bona Film Group hatte bereits am 28. September in einer Börsenmitteilung bestätigt, dass eine öffentliche Aufführungsgenehmigung vorliegt. Damals lief der Film noch nicht. Chinesische Medien berichteten danach über den regulären Kinostart am 23. Oktober.
Digitale Figuren und ein menschliches Filmteam
Nach Angaben der Produktion stammen alle Bilder des Films und ein Teil des Tons aus der KI. Die Figuren seien eigens geschaffene digitale Charaktere und keine digitalen Kopien echter Schauspieler. Das heißt nicht, dass am Ton keine Menschen mitgearbeitet haben.
Laut Produzentin Quji Xiaojiang (曲吉小江) wurde der Film für die Kinozulassung als Animation eingereicht. Nach dem üblichen Zulassungshinweis habe das Team einen zusätzlichen Hinweis eingeblendet, dass Bilder und Teile des Tons KI-generiert sind. Das ist die Aussage der Produzentin über diesen Film und keine neue behördliche Filmkategorie.
Hinter dem Film stand ein größeres Team. Nach Angaben der Produktion waren im Lauf des Projekts fast 100 Menschen beteiligt. Im Interview ist von mehr als zwei Jahren Arbeit die Rede. Laut National Business Daily wurde der Film mehr als 100-mal im Kleinen und fünfmal im Großen überarbeitet. Diese Angaben beschreiben den Aufwand des Projekts, unabhängig prüfen lassen sie sich nicht.
Wie Vidu und das Filmteam zusammenarbeiteten
Vidu war laut den Beteiligten ein wichtiger technischer Partner. Bona nutzte außerdem eine eigene Arbeitsumgebung namens „Boka Film Cloud Studio“, um die Produktion zu organisieren. Welche Einstellungen mit welchem Modell entstanden und wie groß Vidus Anteil am fertigen Film ist, geht aus den geprüften Quellen nicht im Einzelnen hervor.
Produzentin Quji Xiaojiang beschreibt den Ablauf in einem Interview so: Am Anfang erzeugte das Team vor allem Referenzbilder und legte mit Storyboards die geplanten Einstellungen fest. Später kamen generierte Videosequenzen dazu, aus denen passende Ausschnitte ausgewählt wurden. Manche Ideen für die Filmwelt entstanden laut Quji auch dadurch, dass das Team generierte Bilder durchsah und daraus Geschichten weiterentwickelte.
Das zeigt, wie eng die Bilderzeugung mit menschlichen Entscheidungen verbunden war. Das Team musste Material auswählen, Szenen aufeinander abstimmen und den Film überarbeiten. Auch Farbkorrektur und Tonmischung nennen die Verantwortlichen als Teil des Ablaufs. Ein vollständiges technisches Protokoll liegt öffentlich nicht vor.
Vidu stellt in seiner Mitteilung außerdem ein neueres Modell vor, „Vidu Q4 Preview“. Das Unternehmen behandelt es getrennt vom Filmprojekt. Man kann daraus nicht schließen, dass dieses Modell für SANXINGDUI benutzt wurde.
Erste Zahlen zum Kinostart
Der Start verlief zunächst ruhig. Die chinesische Nachrichtenplattform The Paper meldete unter Berufung auf den Filmdatendienst Dengta bis zum 26. Oktober, 16 Uhr, rund 1,216 Millionen Yuan Bruttokarteneinnahmen einschließlich Vorverkauf und etwa 41.000 Kinobesuche. Das sind frühe Zahlen und kein Endergebnis. Außerdem sagen die Karteneinnahmen nicht, wie viel davon bei der Produktion ankommt.
War SANXINGDUI der erste KI-Kinofilm?
Vidu knüpft seine Erstlingsbehauptung an mehrere Merkmale: ein hyperrealistischer Langfilm, eine komplett KI-generierte Besetzung, die Kinozulassung und der landesweite Start in China. Ob genau diese Kombination zum ersten Mal auf SANXINGDUI zutrifft, ließ sich mit den geprüften Quellen nicht unabhängig bestätigen.
Als allgemeine Aussage wäre „Chinas erster KI-Kinofilm“ jedenfalls zu weit gefasst. Schon am 28. Februar 2026 war der chinesische Animationsfilm „团圆令“ ins Kino gekommen. Die Nachrichtenagentur Xinhua beschrieb ihn damals als mit generativer KI produzierten Animationsfilm. Die Projekte können sich in Gestaltung und Herstellung unterscheiden. Einen allgemeinen Erstlingsanspruch für SANXINGDUI lässt das aber nicht zu.
Bemerkenswert ist an SANXINGDUI, dass hier öffentlich dokumentiert versucht wurde, generierte Figuren und Bilder in eine lange Erzählung zu bringen, die regulär im Kino läuft. Wie gut das als Film funktioniert und ob sich der Ansatz finanziell lohnt, lässt sich aus der Produktionsweise allein nicht sagen.
Quellen
7 Links
- Vidu, 27. Oktober: Pressemitteilung und technische Beteiligung
- Bona Film Group, 28. September: Börsenmitteilung zur Aufführungsgenehmigung
- The Paper, 26. Oktober: Kinostart und erste Einspielergebnisse
- National Business Daily, 24. Oktober: Animation, KI-Kennzeichnung und Produktion
- Interview mit den Produktionsverantwortlichen, 25. Oktober: Arbeitsablauf
- Xinhua, 2. März: früherer Kinostart des KI-Animationsfilms „团圆令“
- Yicai: Handlung und englische Titelvariante
Stand der Recherche: 27.10.2026. Ich habe den Film für diesen Artikel nicht gesehen. Wie sich die verwendeten Modelle genau aufteilen, ist öffentlich nicht nachvollziehbar. Dass auch der Ton teilweise KI-generiert ist, stammt von der Produzentin. Ein deutscher Kinostart oder eine Streamingveröffentlichung geht aus den geprüften Quellen nicht hervor.
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