Einordnung

Der Sekundenpreis täuscht

Die Laufzeit allein reicht für eine Preisschätzung nicht. Entscheidend sind auch die Szenenzahl, die Genauigkeit der Produktdarstellung und die benötigten Fassungen. Die Preislisten der Modellanbieter bilden nur einen Teil dieser Arbeit ab.

Google veröffentlicht die Preise für die Videogenerierung offen. Für Veo 3.1 Standard mit Ton nennt die Preisliste der Gemini-API am 11. Oktober 2026 0,40 US-Dollar pro erzeugter Sekunde bei 720p und 1080p und 0,60 US-Dollar bei 4K. Die Fast- und Lite-Stufen liegen je nach Auflösung darunter. Abgerechnet werden erfolgreich erzeugte Videos. Das sind reine Modellkosten, Auswahl, Schnitt und Abstimmung sind nicht enthalten.

Der größte Kostenfaktor: Ausschuss

Für den KI-generierten Werbespot, den die Prognosebörse Kalshi im Juni 2025 während der NBA-Finals ausstrahlte, erzeugte der Filmemacher nach eigenen Angaben rund 300 bis 400 Clips und verwendete davon 15 im fertigen Dreißigsekünder. Das berichtet NPR in Gesprächen mit dem Filmemacher und Kalshi. Rechnerisch sind das etwa 20 bis 27 Generierungen pro verwendetem Clip. Diese Quote gilt nur für diesen Spot. Eine Produktnahaufnahme mit verbindlichem Etikett, Form und Materialglanz stellt andere Anforderungen, ihre Trefferquote lässt sich daraus nicht ableiten.

Auch bei einem klassischen Dreh entsteht mehr Material, als der Film später lang ist. Bei KI-Videos musst du ebenfalls passende Einstellungen auswählen und prüfen, und diese Arbeit gehört in die Kalkulation. Wie sie sich über die Projektphasen verteilt, erklärt der Beitrag zum Ablauf einer KI-Videoproduktion.

Ein teureres Modell kann insgesamt günstiger sein, wenn es weniger Versuche und weniger Nachbearbeitung braucht. Der Sekundenpreis allein sagt deshalb wenig, entscheidend ist der Aufwand bis zur fertigen Einstellung.

Was den Aufwand bestimmt

Zehn Sekunden können aus einem einzigen ruhigen Motiv bestehen oder aus fünf präzise abgestimmten Produktszenen. Für eine belastbare Einschätzung muss deshalb klar sein, was der Film zeigen soll, wo er laufen wird und wie genau er zur Marke passen muss. Diese Punkte verschieben den Umfang am stärksten.

Szenenzahl statt Laufzeit

Jede Einstellung braucht eine Bildidee, Referenzen, mehrere Generierungsrunden, eine Auswahl und einen Platz im Schnitt. Fünfzehn kurze Schnitte machen deshalb regelmäßig mehr Arbeit als eine ruhige Sequenz derselben Länge. Nennst du in einer Anfrage nur die Laufzeit, fehlt die wichtigste Information.

Wie genau das Produkt aussehen muss

Ein reales Produkt mit verbindlicher Form, Farbe und lesbarem Logo braucht genaue Referenzen und eine sorgfältige Prüfung, denn generative Modelle können solche Details verändern. Produktbilder aus mehreren Perspektiven und eine Liste der verbindlichen Merkmale helfen, die Anforderungen früh festzulegen. Wo die Grenzen des Verfahrens liegen, erklärt der Beitrag, wann ein KI-Produktvideo sinnvoll ist.

Menschen im Bild

Bei sprechenden Personen müssen Mundbewegung, Stimme und Gesicht über die ganze Einstellung zusammenpassen. Ein kurzer Zuruf stellt andere Anforderungen als ein längerer Erklärtext. Dafür braucht es unter Umständen unterschiedliche Werkzeuge und zusätzliche Bearbeitung.

Ton

Sprechertext, Musiklizenz und Sounddesign beeinflussen den Aufwand. Die Tonspur muss zur Szene passen, die Sprache verständlich bleiben. Beispiele erklärt der Beitrag zu Stimme, Musik und Sounddesign. Bei Musik hängen die Lizenzkosten unter anderem von Gebiet, Laufzeit und Kanälen ab.

Formate, Sprachen und Varianten

Ein Querformat lässt sich nicht zuverlässig in ein Hochformat schneiden, wenn die Bildmitte dafür nicht vorgesehen war. Brauchst du mehrere Seitenverhältnisse, Sprachfassungen oder Kampagnenvarianten, gehören sie in die Planung und nicht in die Woche vor dem Kampagnenstart. Wenn sie früh feststehen, lassen sich die Bildausschnitte darauf abstimmen. Nachträgliche Formatwünsche können neue Szenen erforderlich machen.

Freigaben werden oft unterschätzt

Eine Änderung am Storyboard oder an einem Standbild ist vor der Szenenproduktion schnell gemacht. Danach kann dieselbe Änderung neue Generierungen und Anpassungen an benachbarten Szenen nach sich ziehen. Der Zeitpunkt des Feedbacks beeinflusst den Aufwand deshalb stark.

Alle, die etwas freigeben dürfen, sollten früh auf Konzept und Standbilder schauen. Kommen grundlegende Einwände erst beim fertigen Schnitt, kann bereits produziertes Material unbrauchbar werden. Freigabeweg und vorgesehene Korrekturrunden gehören deshalb in die Anfrage.

Das Konzept gehört dazu

Ein abgestimmtes Konzept legt fest, welche Einstellungen gebraucht werden und nach welchen Kriterien sie ausgewählt werden. Das spart unnötige Varianten. Welche Entscheidungen vorher fallen sollten, erklärt der Beitrag, warum ein KI-Video ein Konzept braucht.

Neu seit August 2026

Rechteklärung und ein erforderlicher KI-Hinweis gehören in die Kalkulation. Der Hinweis muss spätestens bei der ersten Wahrnehmung der betroffenen Inhalte erkennbar sein. Dazu kommen Plattformangaben und eine Szenendokumentation. Details stehen in den Beiträgen zur Kennzeichnung und zu den Nutzungsrechten.

Was in eine Anfrage gehört

Diese Angaben helfen, den Umfang einer Produktion einzuschätzen und offene Fragen gezielt zu klären:

  • Ziel und Zielgruppe des Films sowie die eine Sache, die hängenbleiben soll
  • Ausspielort, Seitenverhältnisse, Laufzeit und ob mit oder ohne Ton geschaut wird
  • ungefähre Szenenzahl oder ein grobes Ablaufgerüst
  • reale Produkte, Räume oder Personen, die exakt getroffen werden müssen
  • vorhandene Produktbilder, Markenrichtlinien, CAD-Daten und frühere Filme
  • gewünschte Stimme, Musikrichtung, Sprachfassungen
  • Termin, Freigabeweg und Anzahl der beteiligten Instanzen

Als erste Budgetorientierung für einen kurzen KI-Film setze ich bei Nachschein etwa 500 bis 1.500 Euro an. Das ist keine Marktstatistik und kein Festpreis. Der Preis hängt vom Projektumfang ab, nämlich von Szenenzahl, Produktdetails, Ton, Korrekturrunden und zusätzlichen Formaten oder Sprachfassungen. Umfangreichere Produktionen können darüber liegen. Im Angebot steht, welche Leistungen und fertigen Fassungen enthalten sind.

Was im Angebot geklärt sein sollte

Eine Budgetzahl wird erst vergleichbar, wenn der Lieferumfang feststeht. Kläre deshalb vor der Beauftragung diese Punkte:

  • Wie lang wird die finale Fassung und wie viele Szenen sind vorgesehen?
  • Welche Seitenverhältnisse, Kurzfassungen und Sprachen sind enthalten?
  • Wie viele Korrekturrunden sind vorgesehen, wann wird das Konzept freigegeben und wie werden spätere Änderungen abgerechnet?
  • Welche Masterdatei und Ausspielfassungen werden geliefert? Sind offene Schnittprojekte vereinbart oder separat anzufragen?
  • Welche Musiklizenzen und Rechtenachweise gehören zur Lieferung? Wer archiviert Rohmaterial, Freigaben und Projektdateien, und für welchen Zeitraum?
  • Ab wann läuft der vereinbarte Termin: nach vollständigen Materialien und Freigaben oder ab einem anderen festgelegten Startpunkt?
  • Wer prüft die nötige KI-Offenlegung und wie wird der rechtzeitig wahrnehmbare Hinweis in den vorgesehenen Fassungen umgesetzt?

Alle Angaben erfolgen nach bestem Wissen und ohne Gewähr. Für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität übernehme ich, soweit gesetzlich zulässig, keine Haftung.

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